Tausende protestieren gegen den Sparkurs
Mit Streiks protestieren viele Griechen gegen die Sparvorgaben aus Brüssel. Der Verkehr in Athen steht am Freitag still: Weder Busse noch Bahnen fahren, Flughäfen machen dicht. Selbst bei einem Fernsehsender und einer Nachrichtenagentur wird zeitweise nicht gearbeitet.
Athen - Eine Welle von Streiks hat den Verkehr in Griechenlands Hauptstadt Athen am Freitag lahmgelegt. Sämtliche Busse sowie die Bahn fahren seit 5 Uhr Ortszeit für 24 Stunden nicht mehr. Um die Mittagszeit werden auch die Fluglotsen für vier Stunden streiken. Die Streiks richten sich gegen die Sparmaßnahmen der Regierung des hochverschuldeten Landes.
Am Vormittag versammelten sich bereits Tausende Demonstranten im Zentrum der griechischen Hauptstadt. Gemeinsam mit der kommunistischen
Gewerkschaft PAME hatten die Arbeitnehmervertreter auch zu Protestkundgebungen vor dem Parlament aufgerufen. Dort sollten die Abgeordneten im Laufe des Tages über den Sparplan der Regierung beraten. Mit Einsparungen und Steuererhöhungen im Gesamtumfang von 4,8 Milliarden Euro soll das Vertrauen der internationalen Finanzmärkte zurückgewonnen und das Land vor dem Staatsbankrott bewahrt werden.
Doch viele Bürger sind erbost. Beamte und andere Staatsbedienstete wollten am Freitagmittag für drei Stunden die Arbeit niederlegen und im Zentrum Athens gegen das neue Sparprogramm der griechischen Regierung demonstrieren. Ärzte in staatlichen Krankenhäusern behandelten nur
Notfälle und auch viele Lehrer gingen nicht zur Arbeit. Journalisten des Staatsradios und des Fernsehens sowie der staatlichen Nachrichtenagentur legten die Arbeit für 24 Stunden nieder.
Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender Net zeigte am Freitag keine Nachrichtensendungen, auch bei der Nachrichtenagentur Ana legten Journalisten die Arbeit nieder. Sämtliche Pressebüros der Verwaltung blieben geschlossen. Auch Schulen dürften von den Streiks betroffen sein, da die Vertretungen der Lehrer sowie der Polizisten, die von den geplanten Einschnitten maßgeblich betroffen sind, ebenfalls zu Streiks aufgerufen hatten.
"Es gibt einfach kein Geld"
Doch trotz dieser Proteste schöpfen mehr und mehr Griechen Hoffnung - sie sind zu Opfern für das Gemeinwohl bereit. Ihre Hoffnung hat einen Namen: Georgios Papandreou, 57, im Oktober neu gewählter Premier und oberster Krisenmanager, der mit bemerkenswerter Klarheit und
Zielstrebigkeit an die Komplettsanierung seines Landes geht. Er wird nicht müde zu sagen, er habe zwar "Verständnis" für die Proteste, es gebe aber einfach "kein Geld".
Am Freitagabend will sich Papandreou in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) treffen. Merkel hatte deutlich gemacht, dass es bei dem Treffen nicht um mögliche Hilfszusagen geht. Papandreou will der Kanzlerin erläutern, wie er mit einem Milliarden-Sparpaket die Staatsverschuldung drastisch reduzieren will.
Quelle: spiegel.de