Bloodcamp

Buda

Unregistered

1

Monday, July 12th 2010, 7:46pm

Deutsche Bahn: Hitze-Debakel

Hitze-Debakel und Unwetter bringen Bahn ins Schwitzen

Die Folgen der Hitzewelle haben der Deutschen Bahn auch am Montag zugesetzt. Wegen des Ausfalls von Klimaanlagen am Wochenende üben Politiker und Betroffene heftige Kritik. Zusätzliche Probleme bereiteten am Montagnachmittag Unwetter, die den Bahnverkehr in weiten Teilen Nordrhein Westfalens fast vollständig zum Erliegen brachten.

dne/HB BERLIN. Von "massiven Störungen" sprach ein Bahnsprecher in Düsseldorf. Schwerpunkte seien Aachen, Köln, Düsseldorf, Duisburg und Essen. Unter anderem seien die Hauptstrecken Köln-Düsseldorf und Köln-Aachen sowie die Verbindung Oberhausen-Altenessen-Gelsenkirchen betroffen. Da es sich dabei um die Hauptachsen in Nordrhein-Westfalen handele, müsse im ganzen Land im Fern- und Nahverkehr sowie bei der S-Bahn mit Verspätungen oder Ausfällen gerechnet werden. Auch auf den Fernverkehrsstrecken kam es zu zahlreichen Zugausfällen und Verspätungen.

Auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof standen die Reisenden am Nachmittag in dichten Trauben auf den Bahnsteigen und warteten auf Züge. Andere hatten sich auf Treppen gesetzt. „Zur Dauer der Störungen können wir noch keine Angaben machen“, teilte die Bahn mit. Die Störungen dauerten am Montagnachmittag an. Sturmtief „Norina“ war mit teils orkanartigen Sturmböen über Nordrhein-Westfalen hinweggefegt.

Bereits seit dem Wochenende hat die Bahn infolge der Wetterbedingungen mit Negativschlagzeilen zu kämpfen. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) telefonierte am Montag mit Bahnchef Rüdiger Grube wegen des Hitze-Debakels vom Wochenende. Der Minister will die Pannen außerdem zum Thema der nächsten Aufsichtsratssitzung machen. "Ich erwarte von der Deutschen Bahn, dass die Züge bei minus 40 Grad genauso zuverlässig fahren wie bei plus 40 Grad", verlangte Ramsauer. Bei allem Ärger dürften die Mängel aber nicht zu einer nationalen Tragödie gemacht werden.

Verbraucherministerin Ilse Aigner forderte eine schnelle Überprüfung aller Züge. Der Ausfall der Klimaanlage in einem ICE sei offenbar kein Einzelfall, sagte die CSU-Politikerin der "Bild"-Zeitung. Sämtliche Züge müssten umgehend auf ihre Funktionsbereitschaft überprüft werden. Es sei ein ernster Vorgang, wenn Fahrgäste gesundheitliche Beeinträchtigungen erlitten.

Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Döring, der Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn ist, forderte eine "lückenlose Überprüfung" der Wartungshistorie der betroffenen Züge. "Es kann nicht sein, dass der mitteleuropäische Winter zu kalt für die Bahn war und der mitteleuropäische Sommer zu heiß ist", sagte er der "Rheinischen Post". Der alte Werbespruch der Bundesbahn "Alle reden vom Wetter - wir nicht" würde heute nur Hohn und Spott provozieren.

Die SPD äußerte deutliche Zweifel am Notfallmanagement der Bahn. „Es darf hier nicht an der falschen Stelle gespart werden“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Florian Pronold, Handelsblatt Online. „Notsituationen erfordern ein zuverlässiges Notfallmanagement, das über die Verteilung von eisgekühlten Handtüchern deutlich hinausgehen muss.“

Pronold warf der Bahn vor, wider besseren Wissens schlecht gewartete Züge einzusetzen. So hätten die vergangenen Monate gezeigt, dass die Instandhaltung der ICE-Züge durch die Bahn „beträchtliche Defizite“ aufweise. „Eine verlässliche Fahrzeuginstandhaltung muss nicht nur wetterunabhängig gewährleistet sein, sondern auch im obersten Interesse der Bahn liegen“, sagte der SPD-Politiker und fügte hinzu: „Hierzu bedarf es eines echten Qualitätsmanagements, denn nur so lassen sich Situationen wie sie sich am Wochenende ereignet haben in Zukunft verhindern.“

Warum die Klimaanlagen versagten, ist nach Angaben der Deutschen Bahn noch zu ermitteln. Für Kritiker jedoch steht die Ursache schon jetzt fest: Mangelhafte Wartung der Filter in den Klimaanlagen. Die modernen Geräte seien in der Lage, feinen Staub und Bakterien aus der Luft herauszufiltern, heißt es. Aber die feinporigen Filter würden eben auch schneller verstopfen, hat der Grünen-Politiker Toni Hofreiter von Bahnexperten erfahren.

Die Bahn habe "Sofortmaßnahmen bei der Wartung" eingeleitet, wie Unternehmenssprecher Jürgen Kornmann am Montag sagte. Die Beschäftigten in den Werkstätten seien aufgefordert worden, besonderes Augenmerk auf die Klimaanlagen zu legen. Die Mitarbeiter an Bord der Züge seien angewiesen, Fahrgäste in andere Waggons zu bringen und mit Getränken zu versorgen.

Im schlimmsten Fall müsse der Zug gestoppt werden. Zugleich wies Kornmann Vorwürfe zurück, nach denen die Bahn an der Wartung der Klimaanlagen spart. "Alle Züge werden, bevor sie morgens rausfahren, täglich überprüft." Die Abstände der Wartung seien vorgeschrieben.

Die Bundespolizei ermittelt unterdessen gegen die Bahn wegen Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und der unterlassenen Hilfeleistung. Untersucht werden soll, ob es nicht möglich gewesen wäre, angesichts von Temperaturen bis zu 50 Grad im Zuginneren eher Abhilfe zu schaffen. Eingeschaltet sind auch die Staatsanwaltschaft Bielefeld und das Eisenbahnbundesamt, das die Technik und betrieblichen Abläufe untersucht.

Am Wochenende mussten unter anderem mehrere Schüler auf Klassenreise in Bielefeld von Sanitätern aus dem Zug geholt und in Krankenhäusern versorgt werden. Eine Remscheider Schule verlangt nun Schadensersatz, wie sie im "Westfalen-Blatt" ankündigte. Auch andere Reisende berichteten von weiteren Ausfällen von Klimaanlagen und überhitzten sowie überfüllten Zügen am Wochenende.

Die Bahn erklärte, weder am Sonntag noch bis zum Montagvormittag habe es vergleichbare Vorfälle wie das Komplettversagen der Klimaanlage gegeben. Einzelne Ausfälle in Waggons seien aber gemeldet worden. Passagiere würden dann an andere Plätze umgesetzt. Das Personal sei angewiesen worden, die Funktionsfähigkeit der Klimaanlagen vor Reisebeginn noch einmal gezielt zu prüfen.

Nach Augenzeugenberichten fiel am Montag in mehreren Wagen eines IC von Berlin nach Amsterdam die Klimaanlage aus. Nachdem der Zug mehrmals die Fahrt unterbrechen musste, sei er in Hannover komplett gestoppt worden. "In einigen Wagen herrschten Temperaturen von über 40 Grad", sagte eine Reisende. Von den Ausfällen vom Wochenende sind laut Bahn sowohl Züge der Serien ICE-1 als auch ICE-2 betroffen. Der neueste ICE-3 hatte bei ihrer Einführung erhebliche Probleme mit den Klimaanlagen. Sie wurden daraufhin komplett ausgetauscht.

Die älteren ICE-2-Züge will die Bahn demnächst für 100 Mio. Euro überholen lassen. Die Nachfolge-Generation auch für die IC-Züge soll ab 2015 in Betrieb gehen. Die Bahn hatte im Vorfeld des geplanten Börsengangs nicht mehr in neue Züge investiert. Die dadurch fehlenden Abschreibungen halfen der Fernverkehrssparte in die Gewinnzone.

Quelle: Handelsblatt.com

This post has been edited 2 times, last edit by "Buda" (Jul 12th 2010, 7:53pm)


Terrahawk

Camp Blood Counselor

Posts: 392

Location: Berlin / Treptow

Occupation: Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung

  • Send private message

2

Monday, July 19th 2010, 12:31pm

Als Pendler muss ich sagen: Diese Ausfälle der Klima-Anlage(n) sind meiner Erfahrung nach ein Dauerzustand. In einzelnen Wagons werden gerne mal "Sauna-Temperaturen" in Kauf genommen. Die Bahn gehört meiner Meinung wieder verstaatlicht!!!

Kura

Camp Blood Counselor

Posts: 791

Location: Berlin

  • Send private message

3

Monday, July 19th 2010, 7:07pm

Zum Glück bin ihc momentan nur zu Fuß unterwegs, ggf. U-Bahn. Der Bahn-Chef selber soll ja aufgrund der Sauna-Temperaturen den "Flugweg" bevorzugen :D


Buda

Unregistered

4

Thursday, July 22nd 2010, 2:13pm

Klimaanlagen-Ausfälle

Bahn zahlt Schmerzensgeld auch ohne Attest

500 Euro für die Opfer einer Hitzefahrt: Die Deutsche Bahn will die Entschädigung nun auch zahlen, wenn kein ärztliches Attest vorliegt. Inzwischen haben sich rund 300 Fahrgäste gemeldet, die in Zügen ohne Klimaanlagen gesundheitliche Schäden erlitten haben.

Berlin - Die Deutsche Bahn will nun doch auch Opfer ihrer Hitzepannen mit 500 Euro entschädigen, die kein ärztliches Attest vorlegen können. Bedingung für das Schmerzensgeld sei aber weiterhin, dass die Fahrgäste "gesundheitliche Probleme" durch den Ausfall von Klimaanlagen in ICE-Zügen erlitten hätten, sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube am Donnerstag nach einem Krisentreffen in Berlin. Die Entschädigung hatte die Bahn am Mittwoch bekannt gegeben, zunächst aber auf ein ärztliches Attest bestanden. Dies hatten Verbraucherschützer und Politiker heftig kritisiert.

Grube sagte, bislang hätten 300 Fahrgäste die Bahn wegen der 500 Euro Schmerzensgeld kontaktiert. Sollten medizinische Kosten entstanden sein, würden auch diese erstattet. Insgesamt wurden bislang nach Angaben des Konzerns 2200 Bahn-Kunden für die Probleme entschädigt.

Grube entschuldigte sich nach dem Treffen mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Vertretern des Verkehrs- und des Verbraucherschutzausschusses des Bundestages erneut für die Probleme mit den Klimaanlagen. "Jeder Zug, der ausfällt, ist ein Zug zu viel", sagte der Bahn-Chef. Er betonte jedoch zugleich, dass die Ausfälle insgesamt nur bei einem sehr kleinen Teil der Züge aufgetreten seien - und die Bahn die Probleme mit den Klimaanlagen mittlerweile weitgehend im Griff habe.

Der Bahn machen die derzeit bei Teilen ihrer ICE-Flotte die hochsommerlichen Temperaturen Probleme: Die Klimaanlagen in ICE-2-Zügen sind nur für Temperaturen bis 32 Grad Celsius ausgelegt. Zu den Ausfällen führte offenbar, dass die Anlagen angesichts der Hitze zu lange unter Volllast liefen.

abl/AFP
Quelle: spiegel.de

Similar threads